Archiv der Kategorie 'falscher Rhythmus, schiefes Bild'

Schade um Schorsch

Schorsch Kameruns Verdienste als Sänger der „Zitronen“ und Hörspiel-Autor sind beachtlich. Man darf bedauern, dass auch er (wie einige Gestalten, von denen man es eh erwartet) den anti-israelischen „Brief Kulturschaffender in Deutschland“ unterzeichnet hat. Es passt ins Bild, dass diese Leute sich selbst im Nazi-Jargon als „Kulturschaffende“ bezeichnen (siehe:Sternbergers „Wörterbuch des Unmenschen“).
In einem Interview mit Dradio Kultur äußert sich Kamerun zurückhaltend, er ist kein rabiater Antizionist, sondern vielmehr bewegt von einer absurden Friedenssehnsucht, die eher nach Kirchentag als nach Politik klingt. Westerwelle wird für seine irgendwie pazifistische Außenpolitik gelobt, die amerikanischen Angriff auf ISIS findet Kamerun nicht okay und „Terroristen“ will er die Dschihadisten auch nicht nennen.
Punk ist nicht tot, er redet nur bisweilen wie Margot Käßmann.

gut gemeint

Heute ein Radio-Interview mit Frau Kahane von der Amadeu-Antonio-Stiftung gehört. Auf die derzeitigen Gaza-Demos angesprochen, sagt sie durchaus vernünftige Dinge, nur meint sie mit Blick auf die Hamas, dass diese „sich das Mittelalter herbeiwünscht“.
Eine solche Behauptung ist eher dazu geeignet, die Islamisten zu harmlosen. Bei Leuten, die öffentlich „Hamas, Hamas, Juden ins Gas“ skandieren, sollte man nicht davon ausgehen, dass „das Mittelalter“ ihr historischer Referenzpunkt ist.

Anmerkung zum unverkrampften Gejohle:

Der Ausruf „Deutschland“ soll nicht nur die eigene Identifikation mit der Nation öffentlich bekräftigen, sondern muss stets wie eine Aufforderung, ein Befehl klingen. Der Umstehende muss das Ausrufezeichen hören und die Lautstärke soll ihn ein wenig zusammenfahren lassen. Eine gewisse autoritäre Schärfe im Tonfall soll verdeutlichen, dass der Ausruf durchaus auch als Drohung verstanden werden kann.

home is where your heart is

angesichts der sommerlichen Trägheit nur ein kurze Empfehlung für das Wochenende

outdoor floor: blank johnson the 1st aka froods | dj sonniponni | de_cay
elctric basement: swingkid (hh – wasted rote youth) | dnl (b – asilektro/mutant house) | toni_torpedo (gö – ifts/unterschichtenelektro)
live the blue screen of death

Vorträge im Dorf

Tobias Ebbrecht, Mitherausgeber des beim Ventil Verlag erscheinenden Sammelbandes „Deutschlandwunder – Wunsch und Wahn in der postnazistischen Kultur“ und gelegentlicher Autor der Phase 2 referiert am Donnerstag um 20h im Göttinger Lumiere über „Stauffenberg im Film“.
Wer eher links-nostalgisch gestimmt ist, der kommt zur selben Uhrzeit ein Stockwerk tiefer auf seine Kosten: in der Reihe „Opa erzählt von früher“ setzt sich das ehemalige RAF- Mitglied Karl-Heinz Dellwo mit „sozialer Bewegung und bewaffnetem Kampf“ auseinander. (Fairerweise sei zugestanden, dass Dellwo angesichts der unsäglichen Postionen ehemaliger Mitglieder der Stadtguerilla und ihrer weitgehenden Unfähigkeit zur Reflexion eine Ausnahme darstellt, wie seinem jüngsten Interview in der Jungle World zu entnehmen ist.)
Am Freitag widmet sich Andrea Truman, Autorin des erhellenden Buchs „Frauenbewegung und weibliche Subjektkonstitution im Spätkapitalismus“, auf Einladung der redical [m] der Frage, ob es sich bei dem Feminismus um ein Reformprojekt des Kapitalismus oder [eine] Bewegung für Selbstbestimmung und Emanzipation“ handele.

Terrortuch

Parole an einer Wand in der Göttinger Fußgängerzone:

Das Palituch als Symbol der Antimoderne entlarven-

Tausch dein Tuch gegen ein Buch

chips and bites

Das Electro Projekt meiner Mitbewohnerin

highly recommended listening

Zwischenmiete in Berlin

In eigener Sache

Mache ab dem 1. November ein sechswöchiges Praktikum in Berlin.
Suche für diesen Zeitraum ein WG- Zimmer zur Zwischenmiete.
Bin 26, m, Raucher und WG-erfahren de luxe.

la rue rouge

Seit einiger Zeit ist es im Kreis meiner Bekannten nicht unüblich, seinen dreißigsten Geburtstag zu begehen. Bereits ihren 35sten Geburtstag feierte an diesem Wochenende meine Göttinger Lieblingsadresse, die Rote null bis fünf, mit einer wilden Sause

Happy birthday!

Jungle World (25/07) : Der Kampf um die Rote Straße

ne touche pas ma maison

Unter dem schönen Titel „Der Kampf um die Rote Straße“ berichtet die Jungle World in ihrer aktuellen Ausgabe über die in ihrem Bestand gefährdeten linken Wohnprojekte in Göttingen.

Die Häuser in der Roten str & Burgstr, im Kreuzbergring, der Gotmar- und Goßlerstr haben sich in der Kampagne „Here to stay“ zusammengeschlossen. Den über 100 BewohnerInnen geht es um den Erhalt der bestehenden Mitververhältnisse und nicht zuletzt darum, zu verhindern, „dass auch Göttingen zu einem studentisch geprägten Provinzkaff mit öde konformistischem Klima wird, wie dies in manch anderer einstmals „linken Unistadt“ schon längst geschehen ist. “
In dem ersten Flugblatt der Kampagne skizzieren sie ihr politisches Selbstverständnis:

Mehr oder weniger selbstbestimmte Wohnformen sind zwar keineswegs, wie Freiraum-RomatikerInnen einst hofften, die Vorwegnahme eines Besseren im schlechten Bestehenden. Die so beliebte Forderung nach dem „selbstbestimmten Leben“ ist im Hier und Jetzt, angesichts von Staat und Kapital, nicht einzulösen. Jedoch bieten solche Häuser zumindest die Möglichkeit, sich innerhalb dieser Verhältnisse kollektiv das Leben so „selbstbestimmt“ wie eben möglich zu gestalten. Die Vorstellungen leitender Funktionäre des Studentenwerkes zielen auf etwas anderes ab: ordentlich durchorganisiert soll das Wohnen ablaufen, mit Einzelmietverträgen und Wohnzeitbegrenzung. Eine deratige „Umstrukturierung“ wurde schon in mehreren Häusern problemlos durchgesetzt und so soll es demnächst auch mit den noch verbliebenen selbstverwalteten Häusern geschehen.
Wir begreifen dies jedoch keineswegs als einen Prozess, der sich gegen unsere Interessen und ohne unsere Zustimmung einfach so vollziehen wird. Stattdessen ist für uns dieser vermeintliche Verwaltungsakt eine politische Auseinandersetzung. Die Häuser in der Roten Straße, der Goßlerstraße, im Kreuzbergring und der Gotmarstraße würden in dieser Form nicht existieren, wären sie nicht im Zuge der Besetzung in den 70er Jahren und den folgenden Konflikten erkämpft worden. Und ebenso ist für uns klar, dass es diese Form des Zusammenwohnens zu erhalten, zu verteidigen gilt. Dabei ist eine geplante Abwicklung der derzeitigen kollektiven Wohnstrukturen keine Tatsache, die es zu akzeptieren gilt und die lediglich im Detail zu unseren Gunsten aushandelbar wäre. Jeden Eingriff in den Status Quo betrachten wir als eine qualitative Verschlechterung unserer Wohnsituation, eine Verschlechterung, die wir nicht einfach hinnehmen werden.

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