Archiv der Kategorie '2oth century files'

Spasibo!

Heute jährt sich zum 64ten mal die deutsche Niederlage bei Stalingrad.

Zu diesem Anlass einige kluge Zeilen von Café Morgenland:
Daher ist der Versuch zwecklos, den Deutschen mit Auschwitz beizukommen. Es hat deswegen wenig Sinn, sie mit ihren Vernichtungstaten und –drang zu konfrontieren. Es ist deswegen aussichtslos, sie zu Frieden, Nächstenliebe und zu sonstigen das Appetenzverhalten bändigenden und ersetzenden Verhaltensformen umzuerziehen.
Das einzige, was wirkt, ist, sie an Stalingrad, an die Stadt, die den deutschen Siegeswillen symbolisieren sollte, zu erinnern (und ab und zu an Dresden, je nach Gegend). Das einzig Probate ist, sie nach der russischen Gefangenschaft ihrer Vorfahren zu fragen – als Androhungsvorstufe, als Erinnerungszwang, als Ausdruck der Genugtuung. Genau dies hat sie über 50 Jahre lang in Schach gehalten. So und nur so plapperten sie immer wieder und zu jedem Anlass nach, so was wie „Krieg ist was schlimmes“, „die Schuld der Nazis“, die „uns in die Katastrophe geführt haben“, „die Lehren aus der Geschichte“, „das habe ich nicht gewusst“ usw.
Wenn heute die „Volksbewegung zur Erhaltung der deutschen Friedenszustände“ – kurz: Friedensbewegung – angesichts des drohenden Angriffs auf Irak „nie wieder Krieg“ schreit, so steckt dahinter neben den durch die offiziöse Haltung Iraks gegenüber Israel herbeigerufenen antörnenden Konnotationen als die benigne Komponente Stalingrad.

Phase2. 06 Dezember 2002

Extremismus in der Provinz

Die idyllische Provinzstadt Göttingen kann nicht nur auf nur auf eine ruhmreiche universitäre Vergangenheit verweisen, darüber hinaus trug Göttingen als Garnisonsstadt dazu bei, dass am deutschen Wesen die Welt genese. Daran erinnert das „Kolonialdenkmal“, welches dem 82. Infanterie-Regiment gewidmet ist. Jenes Regiment kämpfte von 1904 bis 1906 „für Kaiser und Reich“ im sogenannten „Deutschsüdwestafrika“, dem heutigen Namibia, und beteiligte sich an dem Genozid an den Herero und Nama . Die deutschen Kolonialtruppen ermordeten in ihrem Vernichtungsfeldzug über 40tausend Menschen.
Der Erinnerung „in Dankbarkeit und Treue“ an die deutschen Täter steht das jahrezehntelange Beschweigen des Genozids gegenüber.
Am 22. Januar zerstörte eine „Initiative Anti-Kolonial“ die an dem Denkmal angebrachte Marmorplatte und verwies in einem per e-mail versandten Bekennerschreiben darauf, das Denkmal erinnere an die Massenmörder, nicht aber an ihre Opfer. Als Absender der e-mail war ein gewisser „Hartwig Fischer“ angegeben. Hartwig Fischer ist allerdings Göttinger CDU-Politiker und als Mitglied des Bundestages für die Afrika-Politik seiner Partei zuständig.

Fischer, obschon der schändlichen Tat kaum verdächtig, distanzierte sich von dem unter seinem Namen verfassten Bekennerschreiben. Sein Parteikollege Welskop, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes in Göttingen, nahm die Aktion zum Anlass für totalitarismustheorische Überlegungen: der Anschlag auf das Denkmal unterscheide sich nicht im geringsten von Schändungen jüdischer Friedhöfe durch Neonazis.
Dass „Extremisten aller Couleur ihnen unliebsame Denkmäler beschädigen und Gedenken auf diese Art zensieren wollen“ (Welskop) zeigte sich tags darauf auch andernorts in Niedersachsen: im Landkreis Verden, wo die Entbarbarisierung des platten Landes ebenso noch auf sich warten lässt und Neonazi Jürgen Rieger seine „Forschung zum Erhalt der nordischen Rasse“ betreibt, wurde das dortige Mahnmal zur Erinnerung an die Vernichtung der Jüdinnen und Juden niedergebrannt.

Der restaurierte Reichsbahnwaggon, in dem sich Exponate zur Dokumentation der deutschen Vernichtungspolitik befanden, diente seit dem 9.November 2003 als Gedenkstätte. Heute, einen Tag vor dem Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz, brannte der Waggon völlig aus.

Israel und seine Feinde

Das [a:ka] aus Göttingen, eine der interessanteren antideutschen Gruppen, lädt zum 15. Januar Matthias Küntzel ein. Bei Weltkritk findet sich ein kurzer Werbetext für die Veranstaltung, dem ich mich nur anschließen kann.
Don´t miss it

Israel und seine Feinde – Über den Antisemitismus im Nahen Osten
mit Matthias Küntzel
15.01.07 | 19.30 Uhr | DGB-Haus, Platz der Synagoge
Der Autor und Publizist Matthias Küntzel ist in seinem Buch „Dschihad und Judenhass“ Geschichte und Politik der islamistischen Bewegung auf den Grund gegangen; auch den wenigen bürgerlichen Medien, die es wissen wollen, gilt er mittlerweile als Experte. Auf der Veranstaltung wird Küntzel zeigen, wie Ideologie und Praxis der Islamisten im Nahen Osten beschaffen sind und wie eng sie mit dem Antisemitismus gegen die Juden und gegen Israel verwoben sind.

Hals- und Beinbruch!

„ja, man muss seinen Feinden verzeihen, aber nicht früher,
als bis sie gehenkt werden“ (H. Heine)

Beate Klarsfeld

Anlässlich des aktuellen Jungle World- Titelthemas über „die Bahn und die Deportation jüdischer Kinder“ soll hier auf das beeindruckende Lebenswerk Beate Klarsfelds hingewiesen werden:

Beate Klarsfeld (* 13. Februar 1939 in Berlin), geboren als Beate Auguste Künzel, ist eine deutsch-französische Journalistin und Kämpferin für die Aufklärung und Verfolgung von Nazi-Verbrechen.

Sie hat zusammen mit ihrem Mann Serge Klarsfeld mit detaillierten Dokumentationen zahlreiche nationalsozialistische Gewalttaten aufgedeckt und auf unbehelligt lebende Täter hingewiesen: Kurt Lischka, Alois Brunner, Klaus Barbie, Ernst Ehlers, Kurt Asche u. a.

1960 ging Beate für ein Jahr als Aupairmädchen nach Paris. Dort wurde sie mit den Folgen des Holocaust konfrontiert. Nach wechselnden Anstellungen wurde sie Sekretärin beim Deutsch-Französischen Jugendwerk, dort aber entlassen, weil sie Artikel gegen Kurt Georg Kiesinger veröffentlichte.

1963 heiratete sie Serge Klarsfeld, dessen Vater in Auschwitz der Judenverfolgung zum Opfer gefallen war.

Um auf die Vergangenheit Kurt Georg Kiesingers als NSDAP-Mitglied (PG 2633930) hinzuweisen, rief sie 1968 dem damaligen Bundeskanzler im Bonner Bundestag zu: „Nazi, tritt zurück!“ und wurde abgeführt, aber frei gelassen. Dann, während des CDU-Parteitags in Berlin, bestieg sie das Podium, ohrfeigte Kiesinger und rief „Nazi, Nazi!“. Sie wurde daraufhin in einem Schnellverfahren zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Allerdings wurde die Strafe 1969 in vier Monate auf Bewährung umgewandelt.

Im August 1970 kettete sich Beate Klarsfeld auf einem Platz in Warschau an einen Baum und verteilte Flugblätter, um auf den Antisemitismus in Polen aufmerksam zu machen; sie wurde festgenommen und ausgewiesen.

1971 versuchte sie gemeinsam mit ihrem Mann, den für die Deportation von 76.000 Menschen aus Frankreich verantwortlichen Kurt Lischka gewaltsam zu entführen und der Justiz in Paris auszuliefern, da eine frühere Verurteilung Lischkas weitere juristische Schritte blockierte. Frau Klarsfeld wurde dafür 1974 zu zwei Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, die Strafe aber durch internationale Interventionen und Proteste zur Bewährung ausgesetzt. Der Kriegsverbrecher Lischka dagegen blieb zunächst auf freiem Fuß, erst 1979 wurde er verurteilt.

In den 1970er Jahren wies Frau Klarsfeld wiederholt auf die Verstrickung des FDP-Politikers Ernst Achenbach in die Deportationen jüdischer Opfer aus Frankreich hin. 1976 gelang es ihr, seine politische Tätigkeit u.a. als Lobbyist von NS-Tätern kurz vor seiner geplanten Entsendung nach Brüssel als deutscher Vertreter bei der Europäischen Gemeinschaft zu stoppen.

1984 und 1985 bereiste sie unter Lebensgefahr die Militärdiktaturen Chile und Paraguay, um auf die dort gesuchten NS-Kriegsverbrecher Walter Rauff und Joseph Mengele aufmerksam zu machen.

1986 startete sie gemeinsam mit Serge und anderen eine Kampagne, die die Rolle Kurt Waldheims im Dritten Reich aufdeckte und zu seiner internationalen Isolierung während seiner österreichischen Bundespräsidentschaft führte. Im selben Jahr hielt sich Beate Klarsfeld einen Monat lang im libanesischen West-Beirut auf und bot an, im Austausch für israelische Geiseln in Haft zu gehen.

Am 4. Juli 1987 wurde der auf ihre Initiative gefasste Klaus Barbie verurteilt. Diesen Erfolg bewertete Beate Klarsfeld als das „wichtigste Ergebnis“ ihrer Aktionen. Bereits 1972 hatte Frau Klarsfeld seinen Aufenthaltsort in Bolivien aufgedeckt.

1991 kämpfte sie um die Auslieferung des in Syrien lebenden Eichmann-Stellvertreters Alois Brunner, dem die Ermordung von 130.000 Juden in deutschen Konzentrationslagern angelastet werden. Im Jahr 2001 wurde Brunner durch die Bemühungen der Klarsfelds in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt.

Beate und Serge Klarsfeld gaben u. a. ein Gedenkbuch heraus, in dem die Namen von über 80.000 französischen Opfern der Judenverfolgung durch die Nazis verzeichnet sind. Sie bemühten sich erfolgreich um Fotos von über 11.400 in den Jahren 1942-44 deportierten jüdischen Kindern, um den Opfern ein Gesicht zu geben. Die französische Bahn SNCF begrüßte das Projekt und zeigte eine Wanderausstellung (Enfants juifs déportés de France) drei Jahre lang auf 18 Bahnhöfen. Die Deutsche Bahn − Rechtsnachfolgerin der Deutschen Reichsbahn, über deren Schienennetz diese Kinder deportiert wurden − lehnte die Ausstellung in ihren Bahnhöfen „aus Sicherheitsgründen“ ab und verwies sie ins DB-Museum nach Nürnberg. DB-Chef Hartmut Mehdorn argumentierte, das Thema sei „viel zu ernst, als dass man sich brötchenkauend“ auf Bahnhöfen mit ihm beschäftigen dürfe.

In Israel erhielt Beate Klarsfeld 1974 die Tapferkeitsmedaille der Ghettokämpfer; der französische Präsident François Mitterrand ehrte sie 1984 als Ritter der Ehrenlegion. Offizielle deutsche Auszeichnungen sind ihr versagt geblieben.