Archiv der Kategorie '2oth century files'

Behemoth

Gerhard Scheit über Franz Neumanns Hauptwerk „Behemoth. Struktur und Praxis des Nationalsozialismus 1933–1944″ – Vortrag auf mp3

zudem zur Lektüre empfohlen: „Zwischen Leviathan und Behemoth“ in Phase 2. 30

„Deutsche Frau, schämst du dich nicht…“

Ausgehend von einer kritischen Theorie der Subjektkonstitution referiert Lars Quadfasel über die „sexualfeindliche Sexualität“ im Nazifaschismus und in der postfaschistischen Gesellschaft
-Vortrag auf mp3

siehe auch: Les Madeleines „Wenn Deutsche zu sehr lieben… “

Stadtguerilla in der postnazistischen Gesellschaft

“Der manipulierte Antisemitismus während des Hitler-Faschismus war seinem Wesen nach gegen die Banken, die Geldsäcke, die Raffer gerichtet, nur mit dem falschen Bewußtsein. (…) In diesem Antisemitismus, der in das Volk reinmanipuliertworden ist, war die Sehnsucht nach dem Kommunismus …” Ulrike Meinhof

Joachim Bruhn über die RAF - mp3

Detlev Claussen

Intellectual Transfer. Die amerikanische Erfahrung in der Kritischen Theorie

Vortrag, 63 Minuten
Universität Göttingen, Mai 2004

Leserbrief

“Beim Überschreiten der Senckenberganlage, nahe der Ecke Dantestraße, ist eine unserer Sekretärinnen, Frau Woch, überfahren und erheblich verletzt worden, nachdem an derselben Stelle wenige Tage vorher ein Passant tödlich verunglückt war. Nachdem ich auf die Mißstände der Verkehrsregelung auf der Senckenberganlage dort, wo sie an der Universität vorbeiführt, verschiedentlich aufmerksam gemacht habe, ohne etwas erreichen zu können, wende ich mich heute an die Öffentlichkeit. Die Senckenberganlage hat sich zu einer der verkehrsreichsten Ausfallstraßen entwickelt. Breit und mit mehreren Bahnen, lädt sie geradezu die Autos dazu ein, loszufahren. Zugleich aber muß diese Straße dauernd von all denen überquert werden, die ebenso an der Universität wie an den auf der anderen Seite der Senckenberganlage befindlichen Institutionen arbeiten. Verkehrslichter fehlen. In unwürdiger Weise muß man über die Straße rennen, um nicht im buchstäblichen Sinn unter die Räder zu kommen; auf der Seite der Mertonstraße ist die Situation besonders gefährlich, weil die Senckenberganlage einen scharfen Knick macht, der die Wirkung hat, die Autos weit nach links zu treiben; es ist für den Überschreitenden fast unmöglich, die Distanzen richtig abzuschätzen. Sollte ein Student oder ein Professor in jenem Zustand sich befinden, der ihm eigentlich angemessen ist, nämlich in Gedanken sein, so steht darauf unmittelbar die Drohung des Todes; der Erklärung bedürfen nicht die Unfälle, sondern einzig, daß nicht viel mehr passiert. Es wäre dringend notwendig, daß zunächst durch Verkehrsampeln in dem ganzen Universitätsgebiet, dann aber durch viel radikalere Maßnahmen Abhilfe geschaffen wird. Die Haltung der Automobilisten selbst, bei denen man den Eindruck hat, daß sie, sofern sie nur das grüne Licht und damit nach ihrer Meinung das Recht auf ihrer Seite haben, die Fußgänger als störende Objekte betrachten, trägt zu deren Gefährdung das Ihre bei; da aber nicht darauf zu hoffen ist, daß sie anderen Sinnes werden, so sind verkehrstechnische und polizeiliche Maßnahmen dringend notwendig. Eine Verzögerung wäre nicht zu verantworten.”
Theodor W. Adorno

Gegenwärtige Lektüre: „Deutschlandwunder“

Sammelband über „Wunsch und Wahn in der postnazistischen Kultur“,
erschienen im Ventil Verlag, 256 S., für 14,90 EUR.
Mit Beiträgen von Antonia Schmid, Lars Quadfasel,Tobias Ebbrecht, Dietrich Kuhlbrodt u.a.

Die HerausgeberInnen veranstalten zudem im Mai in Bremen einen Kongress „über das Verhältnis von Nation und Generation in der kulturindustriellen Vergangenheitsbewältigung“

Neues deutsches Land: Wie in der Gegenwartskultur die deutsche Vergangenheit recycelt wird
. [gruppe kittkritik]
Dossier in Jungle World 39/2007

Saul Friedländer

Derzeit lese ich „Die Jahre der Verfolgung“, den ersten Teil von Saul Friedländers magnum opus „Das Dritte Reich und die Juden“.

Eine lesenswerte Rezension Gehard Scheits findet sich in der Jungle World 09/2007:

Das Entsetzen in der Erinnerung nicht preiszugeben, formuliert schon das Vorwort als Programm und wendet sich damit gegen die geläufige Historisierung, gegen »das Ziel des historischen Wissens«, »die Fassungslosigkeit zu domestizieren, sie wegzuerklären«.
Das Buch versucht, Geschichte zu schreiben, wie Claude Lanzmann seine Filme macht: geleitet von Erfahrung, mit der aber nicht Unmittelbarkeit vorgegaukelt wird, die vielmehr fortwährend reflektiert

In der FAZ veröffentlichte die Schriftstellerin Katharina Hacker eine Würdigung Friedländers voll tiefer persönlicher Zuneigung; an Walter Benjamins geschichtsphilosophischen Thesen orientiert und zur Lektüre empfohlen.

„Das Dritte Reich und die Juden“ ist über die Bundeszentrale für politische Bildung für 6 Euro zu beziehen [more]

Sylvin Rubinstein

Sylvin Rubinstein: Ich tanzte mein Leben
Flamenco- Gespräch – Filmporträt
21. April, 19h Lumière Göttingen

Rubinstein wurde 1914 als Sohn galizischer Juden in der Nähe von Moskau geboren. In den 30er Jahren gelangte er gemeinsam mit seiner Zwillingsschwester als das Flamenco-Duo „Dolores & Imperio“ zu europaweiter Bekanntheit. Im Zuge der deutschen Besatzung Polens wurden sie im Warschauer Ghetto interniert. Nach der gelungenen Flucht waren beide im Untergrund aktiv und verübten Attentate auf nationalsozialistische Funktionäre. Dolores wurde verhaftet und von den Deutschen ermordet, Sylvin überlebte mit gefälschten Papieren in Berlin.
In den 50er Jahren feierte er mit seiner Flamenco-Travestie als „Dolores“ in Hamburg große Erfolge.
Heute ist Sylvin Rubinstein fast 93 Jahre alt und lebt zurückgezogen in St. Pauli.

Keiner von uns

Entnazifizierung
Endlich! Die Deutschen verstoßen den Führer aus dem nationalen Kollektiv, zumindest de jure.
Dazu schreibt die tageszeitung in ihrer Nord-Ausgabe:
75 Jahre nach der Einbürgerung des staatenlosen Österreichers Adolf Hitler durch den Freistaat Braunschweig versucht die Politik, die zweifelhafte Aktion rückgängig zu machen. Ob das gelingt, scheint fraglich. […]
Hitler war staatenlos, weil er Österreich 1913 gen München verlassen hatte, um sich dem Militärdienst zu entziehen. Im Jahr 1925 war er auf eigenen Wunsch aus der österreichischen Staatsbürgerschaft entlassen worden. […]
Das Hitler-Problem wird demnächst den Gesetzgebungs- und Beratungsdienst des niedersächsischen Landtags beschäftigen: Die SPD überlegt, Hitler die Staatsbürgerschaft fast genau 75 Jahre nach ihrer Erteilung wieder zu entziehen. Niedersachsen als Rechtsnachfolger des Landes Braunschweigs solle sich dafür stark machen. Es gehe ihr um den „Symbolgehalt“, versichert die Landtagsabgeordnete Isolde Bachmann. […]
Zur Zeit prüft das Innenministerium, ob Hitler posthum die Staatsangehörigkeit abzuerkennen ist. Allerdings, so sagt ein Sprecher, sei das laut Grundgesetz ausdrücklich ausgeschlossen.

Theodor W. Adorno

„Erziehung nach Auschwitz“