Archiv für November 2007

FAZ über die „Israel-Lobby“ und blonde Eiferer

Adorno-Biograph Lorenz Jäger, im Feuilleton der Israel vergleichsweise wohlgesonnenen „Zeitung für Deutschland“ für die nötige Portion diskreten Antisemitismus zuständig (der Ausgewogenheit halber, versteht sich) , berichtet über eine Buchvorstellung in Frankfurt: „Die Israel- Lobby“ von John Mearsheimer und Stephen Walt.
Den deutschen Part im Disput über zionistische Machenschaften übernahm der Politikwissenschaftler Gert Krell, der für diese Aufgabe allein schon deswegen qualifiziert ist, da er zu den Unterzeichner des „Manifests der 25″ zählt und somit über Israel nur all zu gut Bescheid weiß.

Die Pointe von Jägers Artikel besteht darin, dass er in triumphalischem Gestus auf die auch hierzulande äußerst umtriebige „Israel- Lobby“ verweist. Welche Personen und Institutionen diese umfasst und worin deren Einfluss besteht- das bleibt der Phantasie all der klugen Köpfe überlassen, die das Zentralorgan der deutschen Bourgeoisie lesen.
En passant kommt Jäger auch noch auf jenes bizarre Phänomen zu sprechen, das seit einigen Jahren die deutsche Linke schwer plagt und den bürgerlichen Beobachter irritiert:

Auch die „Antideutschen“ sind da und melden sich höflich zu Wort, nehmen Krells Kritik auf. Antideutsch? Ach, deutscher kann ja kein Jüngling sein als dieser verträumte Blondschopf, auch nicht deutscher im international berüchtigten Sinn des Wortes: weltfremd eifernd. Nach den ersten Fragen verlassen sie die Veranstaltung, in der sie auf wenig Zuspruch gestoßen sind.

Vorträge im Dorf

Tobias Ebbrecht, Mitherausgeber des beim Ventil Verlag erscheinenden Sammelbandes „Deutschlandwunder – Wunsch und Wahn in der postnazistischen Kultur“ und gelegentlicher Autor der Phase 2 referiert am Donnerstag um 20h im Göttinger Lumiere über „Stauffenberg im Film“.
Wer eher links-nostalgisch gestimmt ist, der kommt zur selben Uhrzeit ein Stockwerk tiefer auf seine Kosten: in der Reihe „Opa erzählt von früher“ setzt sich das ehemalige RAF- Mitglied Karl-Heinz Dellwo mit „sozialer Bewegung und bewaffnetem Kampf“ auseinander. (Fairerweise sei zugestanden, dass Dellwo angesichts der unsäglichen Postionen ehemaliger Mitglieder der Stadtguerilla und ihrer weitgehenden Unfähigkeit zur Reflexion eine Ausnahme darstellt, wie seinem jüngsten Interview in der Jungle World zu entnehmen ist.)
Am Freitag widmet sich Andrea Truman, Autorin des erhellenden Buchs „Frauenbewegung und weibliche Subjektkonstitution im Spätkapitalismus“, auf Einladung der redical [m] der Frage, ob es sich bei dem Feminismus um ein Reformprojekt des Kapitalismus oder [eine] Bewegung für Selbstbestimmung und Emanzipation“ handele.

stayin alive

Die Göttinger Kampagne Here to stay kann einen ersten Erfolg vermelden: die vor einigen Monaten ausgesprochene Kündigung der Goßlerstr 21 wurde zurückgezogen. Dies ist das Ergebnis der zweiten Verhandlungsrunde zwischen den BewohnerInnen selbstverwalteter
Wohnprojekte und dem Studentenwerk, dem diese Häuser gehören.
Begleitet wurden die Verhandlungen von einem massiven Polizeiaufgebot in der Göttinger Innenstadt.

Ob sich Team Green durch zahlreiche radikale Parolen zum Erscheinen veranlasst sah, bleibt offen.