ne touche pas ma maison

Unter dem schönen Titel „Der Kampf um die Rote Straße“ berichtet die Jungle World in ihrer aktuellen Ausgabe über die in ihrem Bestand gefährdeten linken Wohnprojekte in Göttingen.

Die Häuser in der Roten str & Burgstr, im Kreuzbergring, der Gotmar- und Goßlerstr haben sich in der Kampagne „Here to stay“ zusammengeschlossen. Den über 100 BewohnerInnen geht es um den Erhalt der bestehenden Mitververhältnisse und nicht zuletzt darum, zu verhindern, „dass auch Göttingen zu einem studentisch geprägten Provinzkaff mit öde konformistischem Klima wird, wie dies in manch anderer einstmals „linken Unistadt“ schon längst geschehen ist. “
In dem ersten Flugblatt der Kampagne skizzieren sie ihr politisches Selbstverständnis:

Mehr oder weniger selbstbestimmte Wohnformen sind zwar keineswegs, wie Freiraum-RomatikerInnen einst hofften, die Vorwegnahme eines Besseren im schlechten Bestehenden. Die so beliebte Forderung nach dem „selbstbestimmten Leben“ ist im Hier und Jetzt, angesichts von Staat und Kapital, nicht einzulösen. Jedoch bieten solche Häuser zumindest die Möglichkeit, sich innerhalb dieser Verhältnisse kollektiv das Leben so „selbstbestimmt“ wie eben möglich zu gestalten. Die Vorstellungen leitender Funktionäre des Studentenwerkes zielen auf etwas anderes ab: ordentlich durchorganisiert soll das Wohnen ablaufen, mit Einzelmietverträgen und Wohnzeitbegrenzung. Eine deratige „Umstrukturierung“ wurde schon in mehreren Häusern problemlos durchgesetzt und so soll es demnächst auch mit den noch verbliebenen selbstverwalteten Häusern geschehen.
Wir begreifen dies jedoch keineswegs als einen Prozess, der sich gegen unsere Interessen und ohne unsere Zustimmung einfach so vollziehen wird. Stattdessen ist für uns dieser vermeintliche Verwaltungsakt eine politische Auseinandersetzung. Die Häuser in der Roten Straße, der Goßlerstraße, im Kreuzbergring und der Gotmarstraße würden in dieser Form nicht existieren, wären sie nicht im Zuge der Besetzung in den 70er Jahren und den folgenden Konflikten erkämpft worden. Und ebenso ist für uns klar, dass es diese Form des Zusammenwohnens zu erhalten, zu verteidigen gilt. Dabei ist eine geplante Abwicklung der derzeitigen kollektiven Wohnstrukturen keine Tatsache, die es zu akzeptieren gilt und die lediglich im Detail zu unseren Gunsten aushandelbar wäre. Jeden Eingriff in den Status Quo betrachten wir als eine qualitative Verschlechterung unserer Wohnsituation, eine Verschlechterung, die wir nicht einfach hinnehmen werden.

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1 Antwort auf „ne touche pas ma maison“


  1. 1 Should I Stay Or Should I Go? Ein paar kurze Gedanken zum Göttinger “Häuserkampf” | Pingback am 16. August 2007 um 15:57 Uhr
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