Archiv für Mai 2007

Kids: do not try this at home

Die FR berichtet über Homophobie in Polen:

Warschau – Sind die bei Kleinkindern beliebten „Teletubbies“ schwul? Diese Frage hat Ewa Sowinska, die polnische Ombudsfrau für Kinder, nun zu einer Untersuchung der Fernsehserie mit psychologischen Beratern veranlasst. „Sie sollen einschätzen, ob das im öffentlichen Fernsehen gezeigt werden kann“, sagte Sowinska dem Magazin Wprost. Im Frühjahr hatte sich Sowinska bereits für Berufsverbote für Homosexuelle ausgesprochen, die Umgang mit Kindern und Jugendlichen haben.
Dass nun auch das Kinderfernsehen „homosexueller Propaganda“ verdächtigt wird, liegt an der Figur Tinky Winky. „Ich habe bemerkt, dass Tinky Winky eine Handtasche trägt, aber mir war nicht bewusst, dass er ein Junge ist“, sagte Sowinska dem Magazin. „Später habe ich erfahren, dass da ein homosexueller Zusammenhang verborgen sein kann.“ [source]

post shoa fashion

Vermeintliche Tabubrüche und der selbstbewusste Umgang mit der deutschen Geschichte

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Heiligendamm- eine komische Oper in mehreren Akten

Zu dem Jahrhundertereignis der Linken, den Protesten gegen den G8 Gipfel, sollte sich jeder noch so unbedeutende linke Verein positionieren.
Vielen erscheint ihre Beteiligung derart selbstverständlich, dass sie nicht viele Worte darüber verlieren und sich einem der zahlreichen lokalen oder bundesweiten Bündnissen anschließen. In den Verlautbarungen dieser Bündnisse wird dann, je nach politischer Fraktion in unterschiedlichem Jargon, Altbewährtes zur Kritik der G8, der Globalisierung und mitunter „des Kapitalismus“ abgespult.
Andere, denen es „ums Ganze“ geht, bestehen darauf, sich nicht einfach so in die von ihnen als irgendwie problematisch empfundenen Proteste einzureihen und geben sich alle Mühe, ihr Mitmachen wortreich zu begründen.
Unter den antideutschen KritikerInnen der Bewegungslinken findet sich mitunter eine treffende Einschätzung des Spektakels, etwa die klugen Anmerkungen der Gruppe 8.Mai über den affirmativen Charakter der G8-Mobilisierung. Durchaus gelungen ist auch die Initiative einiger Antifa-Gruppen unter dem schönen Titel „Why your revolution is no liberation“.
Einen originellen, ausgesprochen scharfsinnigen Blick auf das närrische Treiben gegen die G 8 wirft die Gruppe [lif:t] in ihrer komischen Oper „Heiligendamm“.

highly recommended reading

Vorspiel auf dem Theater
Es ist dunkel auf der Bühne. Einige Blätter, offensichtlich
Seiten aus linken Broschüren, achtlos weggeworfen, werden
vom Wind einsam umher geweht. Auf einmal, aus dem
Hintergrund, Auftritt des HARLEKINS, beginnt in leisem,
monotonen, beschwörenden Singsang.

HARLEKIN:
Es geht um die schlechten Verhältnisse! Es geht um
gute Kritik! Es geht um Identität! Um
Auseinandersetzung, um deren Ausbleiben, um das,
was bleibt – es geht ums Ganze!
Schaut ins Publikum – verlassene Ränge, über denen
staubige, dumpfe Leere brütet – hebt wieder die Stimme.

Heiligendamm! Hei – li – gen – damm! Man kennt
es. Links ist schließlich da, wo die meisten Plakate
kleben. Ich will euch erzählen, wie es sich gestaltet,
das Treiben um den G8-Karneval in Heiligendamm.
Dramatische Pause, Stille, Wind, währenddessen wird eine
große Kiste auf die Bühne geschoben, dann weiter.

Keine Geschichte ohne Handlung – keine Handlung
ohne die, die handeln…
kichert etwas wirr, während er die Vorderseite der Kiste
öffnet, in der eine Reihe von Schaufensterpuppen
nebeneinander hängen

Da sind sie, unsere Heldinnen und Helden, Heinriche
und Heinrichinnen! Alle haben sie was zu sagen,
zum Sein und Werden unserer Welt; alle wissen sie
sind sie ein Teil der „Linken“ – und das, obwohl ihre
Äußerungen unterschiedlicher nicht sein können –
oder doch?
Sie werden sich heute unserer Prüfung stellen: diese
besteht aus fünf klugen Fragen. Nämlich 1) Was ist
es eigentlich, die Antiglobalisierungsbewegung, was
hat es damit auf sich?, des weiteren 2) Was und
warum ist die Linke?, sodann auch 3) Wie hält man
es mit dem Antiamerikanismus, dem Antisemitismus,
und (Vorsicht!) mit Israel?, weiter 4) Krieg und
Gewalt?, sowie schlussendlich 5) Heiligendamm, das
ruhige Ostseebad, das niemand mag, aber alle fahren
hin? --- So also lauten die Fragen, deren richtige
Beantwortung die Welt wohl auf immer zum Guten
verändern könnte…“
Der HARLEKIN schreibt die fünf Fragen auf einen Zettel und
tackert letzteren an die Wand. Dann hüpft er, irre vor sich hin
kichernd mit der ebenfalls kichernden Kiste im Schlepptau,
von der Bühne und verschwindet in einem Seitenausgang.

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Personifizierung des real Abstrakten

Das antifaschistische Internetprojekt redok berichtet über den Aufmarsch von über 1000 konformistischen Rebellen in Dortmund:

Ungereimte Judenhetze

Wenn Neonazis sich an gereimten Parolen versuchen, kann das mitunter misslingen. Wenn aber ein Reim offensichtlich falsch ist, steckt Absicht dahinter: das eigentlich Gewollte soll nicht gesagt, aber gemeint sein und verstanden werden. Am 1. Mai demonstrierten Dortmunder Neonazis auf diese Art, wen sie im Visier haben: es geht um „den Juden“.

Mit diesem Transparent zog der „Nationale Widerstand Dortmund“ durch den Ortsteil Wambel, begleitet vom NPD-Bundesvorstandsmitglied und Verbindungsmann zu den „Freien Kameradschaften“ Thomas Wulff (links). Der reimfreie Slogan lautete:

Ob Dortmund, Erfurt oder Buxtehude
Der Feind ist & bleibt der Kapitalismus!

Natürlich reimt sich auf „Buxtehude“ nicht der „Kapitalismus“, sondern zum Beispiel … – doch bevor man lange herumrätselt, können vielleicht österreichische Gesinnungsgenossen weiterhelfen, die im Oktober 2004 bei der Tagung eines rechtsextremen Vereins gegenüber Journalisten der Nachrichtenagentur APA unverblümt zur Kenntnis gaben:

„Der Feind ist und bleibt der Jude“ und „Der ewige Jude gehört ausgemerzt“ bekamen sie dort unter anderem zu hören.(externer Link“Mitteilungen“ des DÖW Nr.169, 2004/12; S.6)

Hätten die Neonazis in Dortmund offen gegen Juden gehetzt, wären sie wegen Volksverhetzung womöglich von der Straße weg in Haft genommen worden. Natürlich war gemeint „der Jude“, der zugleich offensichtlich austauschbar für „der Kapitalismus“ steht.

Passend dazu hatte vorher schon die Nazirockband „Carpe Diem“ mit ihrem Szenehit „Europa, Jugend, Revolution“ eingeheizt. In dem Lied geht es um „eine Macht, der das Geld gehört, seit viel zu langer Zeit“, die einst „unsere Väter aufeinander losgehetzt“ habe. Doch als gestandene Antisemiten wissen die Herrschaften Bescheid, denn „wir sehen, wer hinter den Kulissen steht“.
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Der neue Behemoth

Behemoth. So lautet der Name jenes alttestamentarischen Ungeheuers, mit dem Hobbes den Zerfall von Staatlichkeit
illustrierte. Als Verkörperung des Bürgerkriegs und Chaos im Machtgefüge des modernen Staates stellte er dieses Monster seinem Leviathan gegenüber – jenem staatlichen Ungeheuer, dem die Bürger sich unterwarfen und damit ihre Geschicke in die Hände eines weltlichen Herrschers legten. Chaos und Ordnung. Es ist der Kampf dieser beiden Ungeheuer, der die Geschichte des bürgerlichen Staates seit jeher bestimmte und auch heute noch in verwandelter Gestalt fortwirkt. Hinter ihm verbirgt sich die Dialektik von absoluter und reglementierter Gewalt: der Gewalt, die sich selbst zum Zweck wird, und jener, die einen außer ihr liegenden Zweck visiert, den staatlicher Ordnung.
In seinem auch heute noch kaum übertroffenen Buch über den nationalsozialistischen Staat benutzte Franz L. Neumann die Metapher des Behemoth, um Staatlichkeit in ihrem Zerfall darzustellen. Der NS-Staat, für Neumann kein Staat im herkömmlichen Sinne, lasse nicht mehr die bekannten Strukturen und Verbindlichkeiten erkennen. Statt liberaler Gewaltenteilung und Parlamentarismus offenbare dieser „Unstaat“ die entfesselte Konkurrenz der nationalsozialistischen Rackets.
In Anlehnung an Neumann nennt Gerhard Scheit sein neues Buch im Untertitel „Über den neuen Behemoth“ [source]

Staaten sind Monster – Der neue Behemoth
Vortrag von Gerhard Scheit
14.05.07 | 19.30 Uhr | DGB-Haus, Platz der Synagoge, Göttingen

Im Appeasement gegenüber den islamistischen Banden, im Dialog mit den Apologeten der Scharia, sieht Gerhard Scheit vom Café Critique aus Wien einen neuen Behemoth heraufziehen: ein politisches Monster, das auf der einen Seite zutraulich sein könne wie „ein sanftes Haustier oder die Kommunikationstheorie von Habermas“, während es auf der anderen Seite den Koran aufsagend Menschen verschlinge. Und als Geburtshelfer des neuen Behemoth macht Scheit gerade nicht die Feindschaft gegenüber der Demokratie aus, sondern deren begriffslose Affirmation, den „Jargon der Demokratie“. [a:ka] Göttingen

Antideutsche: jetzt noch brutaler!

Vermutlich hat sie nicht mehr so gelitten, seit der Bolschewik ihr geliebtes Schlesien überfiel:

Mehrere Vermummte haben im niederrheinischen Viersen ein Vertriebenentreffen überfallen und eine 82-jährige Frau mit Fausthieben verletzt. Die Eindringlinge hätten eine israelische Flagge gezeigt und „Nie wieder Deutschland“ skandiert, berichtete die Polizei gestern in Mönchengladbach.

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