Archiv für April 2007

Meet your local Querfront

Dieter Dehm ist ein vielseitig beschäftigter Mann: der promovierte Heilpädagoge zeichnete als Musiker und Texter verantwortlich für solche Perlen der Popgeschichte wie die Bierzelthymne „Was wolln wir trinken 7 Tage lang“ und arbeitete mit Größen wie Heinz Rudolf Kunze und Udo Lindenberg zusammen.
Zudem ist er als Lehrbeauftragter an der Hochschule Fulda tätig und unterrichtet dort „Kulturmanagement“ und „Kreativschreiben“(sic).
Seit 2003 ist Dehm Landesvorsitzender der Linkspartei in Niedersachsen und seit 2005 als Mitglied des Bundestages europapolitischer Sprecher der Linksfraktion.

Bei derart mannigfaltigen Beschäftigungen nimmt sich Dehm dennoch die Zeit, als Herausgeber einer Sammlung deutscher Volkslieder zu fungieren und dabei pointiert seine kulturkritischen Anschauungen zu Papier zu bringen:
„Unser Volk war die bereitwilligste Manövriermasse für die Kulturmonopolisten aus den USA. Derart intensiv ist kein Volk in Westeuropa jemals fremdbestimmt worden. (…) Das hier vorliegende Volksliederbuch ist in einer historischen Phase entstanden, die Geschichtsschreiber später wohl einmal als neuen nationalen Aufbruch bezeichnen werden. Der deutsche Wald, die Heimat können sich nur noch auf die Linke verlassen, sei sie nun rot oder grün oder am besten beides.“ (zit.n. Richard Herzinger, Mittelweg 36 Feb./März 1995, S. 12)
Ebenso ist Dehm der Kampf gegen den Faschismus eine Herzensangelegenheit und er ist kühn genug, unkonventionelle, gar umstrittene Methoden einzufordern:

Beim Kongress der Sozialistischen Linken, einer Strömung in WASG und L.PDS am 3.2.07 in Kassel rief Diether Dehm die Linken auf, den Rechten ihre Begriffe und Methoden abspenstig zu machen. Warum sollten die Neonazis ein Vorrecht auf den Begriff „Heimat“ haben? Und welchen Grund gebe es, ihnen Zeltfreizeiten mit Lagerfeuerabenden zu überlassen?
(FAZ 8.2.07)

[source]
In seinem Anfang 2007 publizierten Papier „Heimat und Eigentum“ gelingt es Dehm schließlich, die Nazis als volksfremd zu entlarven:

Heimat scheint ein Thema der Rechten zu sein. Aber die Faschisten logen gleich zweimal, als sie sich „Nationalsozialisten“ nannten: sie waren nämlich weder Sozialisten noch national.

Jungle Disko

In einem sind sich der Verfassungsschutz, altgediente InternationalistInnen und der schräge Krisenguru Robert Kurz einig: bei Konkret und Jungle World handelt es sich um Publikationen der „Antideutschen“.
Tatsächlich zeichnen sich beide Zeitschriften zumindest dadurch aus, dass sie einigen Mindeststandards, insbesondere der Absage an Antiamerikanismus und an die „legitime Israelkritik“, genügen, die in der Linken keineswegs etabliert sind. Darüber hinaus liegt bei beiden Blättern eine Konstellation vor, die sich wohlwollend als undogmatischen Pluralismus, polemisch als krude Heterogenität kennzeichnen ließe.
So finden sich in Konkret nahezu monatlich Artikel von Horst Pankow, in denen er seine ordinäre Abneigung gegen Muslime zum besten geben darf, genauso wie hin und wieder Texte der old school Marxistin Sarah Wagenknecht.
Exemplarisch für die in der Jungle World vertretene Spannweite der Positionen ist die sogenannte G8-Disko: da steht linkssozialdemokratische Belangslosigkeit neben sich antideutsch dünkendem Geholze von Mario Möller, der den an Hunger Krepierenden wohl empfehlen würde, Kuchen zu essen, wenn sie kein Brot haben.
Auf einen klugen Beitrag der Gruppe 8.Mai folgt ein Text der A.L.I. aus Göttingen, die bislang eher durch wiederholte

Angriffe auf israelsolidarische Antifas und ihr Faible für den baskischen Befreiungsnationalismus von sich reden machte und die in Ausgabe 14/07 vor „antideutschen Horrorszenarien“ warnt.
Zum Abschluss einer reichlich drögen, von bewegungspolitischen Erwägungen geprägten Debatte urteilt Knut Knaster von der Trierer Gruppe [lif:t] über die bevorstehen Proteste in Heiligendamm:

Das immer wieder […] vorgetragene Argument, die Globalisierungskritiker seien derart heterogen, dass man von »der« Bewe­gung nicht sprechen könne, ist nicht mehr wahr. In ihrer Vorhersehbarkeit und ritualisierten Abstumpfung sind die einzelnen Fraktionen in die Totalität einer verdinglichten Welt längst sauber eingefasst. […] Die wenigen Inhalte, die der Sache nach noch richtig sind, führen sich durch das Mitmachen im Spektakel selber ad absurdum. In einer Bewegung, deren maßgeblicher Teil sich längst in eine strategische und geistige Sackgasse manövriert hat, hilft der Verweis auf die gute Absicht des Restes auch nicht mehr weiter.

highly recommended reading

Sylvin Rubinstein

Sylvin Rubinstein: Ich tanzte mein Leben
Flamenco- Gespräch – Filmporträt
21. April, 19h Lumière Göttingen

Rubinstein wurde 1914 als Sohn galizischer Juden in der Nähe von Moskau geboren. In den 30er Jahren gelangte er gemeinsam mit seiner Zwillingsschwester als das Flamenco-Duo „Dolores & Imperio“ zu europaweiter Bekanntheit. Im Zuge der deutschen Besatzung Polens wurden sie im Warschauer Ghetto interniert. Nach der gelungenen Flucht waren beide im Untergrund aktiv und verübten Attentate auf nationalsozialistische Funktionäre. Dolores wurde verhaftet und von den Deutschen ermordet, Sylvin überlebte mit gefälschten Papieren in Berlin.
In den 50er Jahren feierte er mit seiner Flamenco-Travestie als „Dolores“ in Hamburg große Erfolge.
Heute ist Sylvin Rubinstein fast 93 Jahre alt und lebt zurückgezogen in St. Pauli.

Deutsche Ideologie- Antinationalismus

Dieses Luftreich des Traums, das Reich des ›Wesens des Menschen‹, halten die Deutschen den anderen Völkern mit gewaltigem Selbstgefühl als die Vollendung und den Zweck der ganzen Weltgeschichte entgegen; auf jedem Felde betrachten sie ihre Träumereien als schließliches Endurteil über die Taten der anderen Nationen, und weil sie überall nur das Zusehen und Nachsehen haben, glauben sie berufen zu sein, über alle Welt zu Gericht zu sitzen und die ganze Geschichte in Deutschland ihr letztes Absehen erreichen zu lassen. […] Wenn die nationale Borniertheit überall widerlich ist, so ist sie namentlich in Deutschland ekelhaft, weil sie hier mit der Illusion, über alle wirklichen Interessen erhaben zu sein, denjenigen Nationalitäten entgegengehalten wird, die ihre nationale Borniertheit und ihr Beruhen auf wirklichen Interessen offen eingestehen.
Karl Marx

Veranstaltung mit Klaus Baethge
Donnerstag 26. April 19h30
DGB-Haus, Platz der Synagoge
presented by [a:ka] Göttingen

check: Phase 2.22
Jürgen Habermas, Verfassungspatriotismus und die diskursive Ummantelung der Volksnation
Oder: wie die Deutschen die Demokratiesimulation gelernt haben

Let´s talk about sex baby


Skurriles vom alten Rassisten und Antisemiten Jean-Marie Le Pen in der Süddeutschen:

Von Jean-Marie Le Pen, dem rechtsextremen Politiker, sind die Franzosen einiges gewöhnt. Was der Chef des rechtsextremen Front National nun aber auf einem Forum der Frauenzeitschrift Elle sagte, zeigte eine neue Dimension auf. Zu masturbieren sei weniger gefährlich, als beim Sex zu zweit mit Kondomen zu verhüten – das hatte Le Pen zum Thema: „Was Frauen wollen“ ausgeführt.
Damit zog sich der Ultra-Politiker den Unmut des Publikums der Pariser Universität zu. Frauen und Studenten protestierten.
Doch Le Pen verteidigt seine Äußerungen. Im französischen Fernsehen erneuerte er seinen Rat an die Jugend: Statt Kondome zu nutzen könnten die Schulkinder ebenso die Methode „manu militari“ anwenden. Das sei „viel weniger gefährlich als der Gebrauch von Kondomen“.

Karfreitag

voyage voyage

Nach zwei Tagen in Hamburg mit subwave heute arbeiten, Grey´s Anatomy schauen und packen. Morgen gehts weiter nach Köln, unter anderem ins Museum Ludwig.

Ab Freitag werde ich dann in Trier sein, wo ich eigentlich Tante Renate live sehen wollte. Trier, immerhin Geburtsstadt des Begründers materialistischer Gesellschaftskritik, steht jedoch seit Jahrhunderten unter der Herrschaft klerikalfaschistischer Katholikenrackets, daher muss das Konzert wegen des Tanzverbot am Karfreitag entfallen.
Es bleibt dabei: Deutschland muss sterben, damit wir raven können.