Archiv für März 2007

Paradise Now

Das Feuilleton der FR hat dieses Wochenende einiges zu bieten, den Dichterfürsten des postnazistischen Deutschland und islamistische Populärkultur.
Zunächst ein Gespräch mit dem großen Schriftsteller und Tabubrecher Martin Walser anlässlich seines achtzigsten Geburtstages.
Darüber hinaus überrascht die FR mit einem Artikel über eine Sendung im palästinensischen Al Aksa TV.
In der Show interviewt der Moderator die Waisen einer Selbstmordattentäterin, die vor drei Jahren mehrere israelische Soldaten ermordete.

Als Beispiel für die Alltag gewordene antisemitische Propaganda, für die mediale Verherrlichung der Vernichtung, sei das Gespräch im Folgenden dokumentiert:

Moderator: Nun wollen wir mit zwei Kindern von Rim Al Ryasi sprechen, Dschihad-Kämpferin und Märtyrerin, Doha und Mohammed. Doha, Du willst gerne zur Mama, oder? Wo ist die Mama jetzt?
Doha: Im Paradies.
Moderator: Was hat die Mama gemacht?
Doha: Sie hat einen Akt des Märtyrertums vollbracht.
Moderator: Also hat sie Juden getötet, oder? Wieviele von ihnen hat sie getötet, Mohammed, was hast Du gesagt, wie viele Juden hat Mama getötet?
Mohammed: So viele (zeigt die Zahl fünf mit der Hand).
Moderator: Und wie viele sind das?
Doha: Fünf.
Moderator: Du möchtest gerne zur Mamma? Dir fehlt die Mama? Wo ist Mama jetzt?
Mohammed: Im Paradies.
Moderator: Doha, was willst Du vortragen?
Doha: Im Namen Allahs des Gnädigen und Barmherzigen. Wenn die Hilfe Allahs kommt und der Sieg und du die Menschen zur Religion Allahs in Scharen übertreten siehst, dann lobpreise deinen Herrn und bitte Ihn um Vergebung! Er ist wahrlich Der, Der die Reue annimmt. (Sure 110, Vom Sieg)
Moderator: Was möchtest Du uns nun noch vortragen?
Doha: Mama Rim.
Moderator: Trage uns die Gedichte von Mama Rim vor, welches Du willst. Welches willst Du aufsagen? Mohammed, kannst Du vortragen?
Mohammed: Ja.
Moderator: Dann spreche ein Gedicht für uns. Welches möchtest Du aufsagen?
Doha: Mir ist eines eingefallen.
Mohammed: Ich gehe in den Kindergarten.
Moderator: Und Du bist tapfer im Kindergarten?
Mohammed: Ja.
Doha: Ich gehe auch in den Kindergarten. Ich will erzählen.
Moderator: Ja, erzähle. Du gehst auch in den Kindergarten? Oder in die Schule?
Doha: In den Kindergarten.
Moderator: So Gott will. Man sollte von der Unschuld dieser Kinder sprechen.
Doha: Ich will vom Heim erzählen.
Moderator: Kennst Du die Gedichte von Mama Rim? Dann sage uns eines.
Doha: Rim, Du bist eine Bombe aus Feuer.
Moderator: Ja, weiter!
Doha: Deine Söhne und Deine Maschinenpistole sind Deine Losung.
Moderator: Mohammed, mach Du weiter.
Mohammed: Ich gehe in den Kindergarten.
Doha: Nun bin ich fertig.
Moderator: Gut. Würde es Dir gefallen, zur Mama zu gehen?
Doha: Ja.

memritv.org

Antizionisten das Maul stopfen!

Ulrich W. Sahm berichtet im honestly concerned newsletter von einer interessanten Begegnung in Wien:

Moishe Arye Friedman, der selbsternannte „Oberrabbiner“ von Wien, glühender Anti-Zionist und „Freund“ des iranischen Präsidenten Ahmadinidschad wurde in Wien von einem

ebenso berühmten israelischen ultraorthodoxen Juden verprügelt. Jehuda Meschi Zahav, Gründer und Direktor von Zaka, jener orthodoxen Organisation, die sich nach Unfällen und Terroranschlägen um die Bergung der Toten kümmert, traf in Wien nach einem Besuch in Auschwitz den „Oberrabbiner“ und verprügelte ihn, so gut er konnte. „Wir können durchaus richtig austeilen“, sagte Meschi Zahav am Morgen im israelischen Rundfunk voller Genugtuung, es „diesem schrecklichen Menschen gezeigt zu haben“. Meschi Zahav behauptete, Friedman die Brille zertrümmert und den Hut vom Kopf gerissen zu haben. „Er ist es nicht würdig, die Anzeichen orthodoxer Juden zu tragen“, rechtfertigte Meschi Zahav sein Vorgehen gegen Friedman, der zur Zerstörung des Staates Israel aufruft und an der Konferenz der Holocaustleugner in Teheran im vergangenen November teilgenommen hatte.
Friedman und Mechi Zahav seien „alte Bekannte“. Als die Organisation Zaka mit einem von Terroristen gesprengten Bus durch Amerika und Eurpa zogen, um Spenden für die Organisation Zaka zu sammeln, sei Friedman mit Freunden seiner antizionistischen Neturei Karta Sekte gekommen zu einer Gegendemonstration.
Vor kurzem kam es zu einem anderen Zwischenfall in Wien, bei dem sich Henryk Broder mit Friedman eine Prügelei lieferte.

Verschiedene Zutaten

* die neue Folge der mittlerweile regelmäßig erscheinenden Rubrik „Lindenstrasse“ wird erst gegen Mitte der Woche erscheinen. Da ich heute abend arbeiten muss (und neben der L-Strasse auch Bayern gegen Werder verpasse), werde ich mir die aktuelle Folge der weltbesten Serie im Netz ansehen müssen.
*Desweiteren sei an dieser Stelle wieder einmal kluger Aufsatz zur Lektüre empfohlen, nämlich eine Auseinandersetzung mit den Gefängnisthesen von Heinz Langerhans über das „Staatssubjekt Kapital“.
Leseprobe:

Diese Reorganisation des Verwertungsprozesses nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, so lautet Langerhans’ zentrale These,
korrespondierte mit einer Veränderung der bis dahin existierenden
Formen von Staat und Kapital. Die von den Theoretikern der
Zweiten und Dritten Internationale konstatierte Trennung von
Ökonomie und Politik, so beschreibt er das Ende der liberalen Epoche des Kapitalismus, wurde mit dem Ersten Weltkrieg aufgehoben. Der Staat ist, wie Langerhans ausführt, nicht länger bloß »ideeller Gesamtkapitalist«; Krieg und Weltkrisen haben Kapital und Staat vielmehr zu »einem einzigen Schutzpanzer« eingeschmolzen: »Aus dem automatischen Subjekt Kapital mit dem Garanten Staat als besonderem Organ ist das einheitliche Staatssubjekt Kapital geworden.« Mit anderen Worten: Die Selbstverwertung des Werts – der Vorgang, auf den Marx mit der Formel »automatisches Subjekt« verweist – kann nur noch mit Hilfe des Staates gewährleistet werden. Der Staat verwandelt sich vom »Nachtwächter« in einen gigantischen Konflikt- und Krisenmanager.

Der Autor Jan Gerber ist Mitglied im Diskussionskreis „Materialien zur Aufklärung und Kritik“ aus Halle und schreibt u.a. für Phase Zwei und Bahamas.

*am Rand sei noch erwähnt, dass bei der Lektüre des Aufsatzes in der Frühlingssonne meine Lieblingstasse (pre 9-11 skyline von New York) zu Bruch ging.

Feminismus- Disko

Der AK Gender aus Göttingen hat es sich zum Anliegen gemacht, den reichlich verstaubten 8.März zu repolitisieren. Dabei ist der Aufruf zur Demonstration am morgigen Samstag auf einige Resonanz, auch bei blogsport, gestoßen. Endlich wieder mal eine wahrnehmbare feministische Kritik auf der Höhe der Zeit, mag sich da so mancheR gefreut haben.
Schließlich ist es an der Zeit, feministische Kritik jenseits eines antiquierten, im System der geschlechtlichen Bipolarität verhafteten Gleichheitsfeminismus wieder in die Diskussion zu bringen. Die regelmäßigen Ladyfests stellen sicherlich begrüßenswerte Ansätze dar, sofern sie in der Rezeption nicht auf den Charakter eines queeren Kulturevents reduziert werden.
Ein solcher, von der queer theory inspirierter Feminismus steht dabei vor der Herausforderung, es nicht bei einem harmlosen, die Verhältnisse letztlich affimierenden Dekonstruktivismus bewenden zu lassen, wie er in den mittlerweile fest im universitären Betrieb etablierten Gender Studies all zu häufig verbreitet wird.

So begrüßenswert die Initiative sicherlich auch ist, dem Anspruch, Feminismus als radikale Gesellschaftskritik zu betreiben, wird der Aufruf des AK Gender nur teilweise gerecht. Allzu beliebig bleibt der Versuch, das F-Word mit der Kritik staatlicher Herrschaft und wertförmiger Vergesellschaftung zu verbinden. Dass die Subjekte nur als vergeschlechtlichte Individuen, nicht aber als StaatsbürgerIn und WarenhüterIn bestimmt werden, ist dann nicht allzu verwunderlich.
Ein Text, dem die Kritik des Elends bürgerlicher Subjektivität um einiges überzeugender gelingt, stammt von der Gruppe [Lift] aus Trier und sei hier zur Lektüre empfohlen.
Eine ausgesprochen gewinnbringende Einführung in die Feministische Theorie liefert Andrea Trumann mit ihrem Buch über „weibliche Subjektbildung im Spätkapitalismus“, in der Reihe theorie.org erschienen und highly recommended reading.

Keiner von uns

Entnazifizierung
Endlich! Die Deutschen verstoßen den Führer aus dem nationalen Kollektiv, zumindest de jure.
Dazu schreibt die tageszeitung in ihrer Nord-Ausgabe:
75 Jahre nach der Einbürgerung des staatenlosen Österreichers Adolf Hitler durch den Freistaat Braunschweig versucht die Politik, die zweifelhafte Aktion rückgängig zu machen. Ob das gelingt, scheint fraglich. […]
Hitler war staatenlos, weil er Österreich 1913 gen München verlassen hatte, um sich dem Militärdienst zu entziehen. Im Jahr 1925 war er auf eigenen Wunsch aus der österreichischen Staatsbürgerschaft entlassen worden. […]
Das Hitler-Problem wird demnächst den Gesetzgebungs- und Beratungsdienst des niedersächsischen Landtags beschäftigen: Die SPD überlegt, Hitler die Staatsbürgerschaft fast genau 75 Jahre nach ihrer Erteilung wieder zu entziehen. Niedersachsen als Rechtsnachfolger des Landes Braunschweigs solle sich dafür stark machen. Es gehe ihr um den „Symbolgehalt“, versichert die Landtagsabgeordnete Isolde Bachmann. […]
Zur Zeit prüft das Innenministerium, ob Hitler posthum die Staatsangehörigkeit abzuerkennen ist. Allerdings, so sagt ein Sprecher, sei das laut Grundgesetz ausdrücklich ausgeschlossen.

Deutsche Bischöfe

Dass sich die deutschen Bischöfe während ihrer Reise nach Israel und in die palästinensischen Autonomiegebiete in ihren antisemitischen Statements gegenseitig überboten, ist hinlänglich bekannt. Dabei bedienten sie sich der klassischen Topoi des sekundären Antisemitismus, insbesondere der Projektion nationalsozialistischer Verbrechen auf den Staat Israel.
Es erübrigt sich, die bischöflichen Hasspredigten noch weiter zu kommentieren- „sie sind unter aller Kritik“ (Marx).
Aus diesem Anlass soll am Beispiel des Kölner Erzbischofs Meisner lediglich darauf verwiesen werden, dass es sich dabei keineswegs um etwas Neues handelt, sondern dass der katholische Funktionär sich vielmehr treu geblieben ist.

Daher sollen zwei Beispielt stellvertretend für die hate speech des Kardinals stehen:
„Es ist bezeichnend: Wo der Mensch sich nicht relativieren und eingrenzen lässt, dort verfehlt er sich immer am Leben: zuerst Herodes, der die Kinder von Bethlehem umbringen lässt, dann unter anderem Hitler und Stalin, die Millionen Menschen vernichten ließen, und heute, in unserer Zeit, werden ungeborene Kinder millionenfach umgebracht. “ (via)
Und, mein favourite:
Angesichts „Drogensüchtiger, Homosexueller, Terroristen und Wissenschaftsgläubiger“, sei es nötig, dass »der europäische Mensch diese Gifte ausschwitze« (via)

Folge 1109 „Botengänge“

Während in seiner Familie euphorisch Hochzeitspläne geschmiedet werden, lässt sich Murat zur Finanzierung der kostspieligen Feier auf einen heiklen Deal ein: er soll Botengänge für den zwielichtigen Tschekov (offizieller Beruf: Besitzer einer Table Dance Bar, nebenbei
Gangsterboss) übernehmen. Murat will eigentlich ein gesetzestreues Leben führen, aber die familiäre Erwartungshaltung, eine pompöse Hochzeitsfeier auszurichten, lässt ihn schließlich gegenüber Tschekov einwilligen. Sein erster Botengang führt Murat mit einem Beutel voller Schmuck zu einem ziemlich durchgeknallten Juwelier, der ihn mit einem Revolver bedroht, aus Sorge, übers Ohr gehauen zu werden.
Indes verschärft sich die Auseinandersetzung zwischen Lisa und Alex, dem leiblichen Vater ihres Sohnes Paul. Alex ist nach seiner schweren Depression bestrebt, sein Leben wieder auf die Reihe zu kriegen und will auch wieder mehr Verantwortung für den kleinen Paul übernehmen. Doch Lisa verhöhnt Alex lediglich: „Ich gebe mein Kind doch keinem Loser!“
Abends besteht sie gegenüber Murat darauf, dass Alex´Einfluss dem Jungen schade und dass sie einen Weg finden müssen, Paul Alex zu entziehen.

Olaf Kling ist weiterhin optimistisch bezüglich seiner Zeugungsfähigkeit. Schließlich kann die moderne Medizin nicht einfach die Qualität seines Spermas in Frage stellen, er ist doch ein gestandenes Mannsbild, ein echter Prachtkerl. Derweil erhält seine Frau Ines von Julian die erhoffte Einwilligung, mit ihr zu schlafen, um statt Olaf mit ihr ein Kind zu zeugen. Sie verlässt augenblicklich das Café Bayer und trifft sich mit Julian in einem schäbigen Stundenhotel. Nachdem sie miteinander geschlafen haben, besucht Julian siegessicher Marcella. Er habe die Wette gewonnen, sagt er grinsend zu ihr. Doch Marcella lacht ihn aus und meint, es sei bei der Wette um seine vermeintliche Verführungskunst gegangen, Julian habe Ines lediglich einen Gefallen getan, es sei ein „abartiger Freundschaftsdienst“. Daher sieht sich Marcella nicht an die Wette gebunden.

Seitdem die nahe gelegene Bankfiliale geschlossen hat, muss Rosi sich nun auf ihre alten Tage noch mit den Geldautomaten auseinandersetzen. Dazu hat sie allerdings gar keine Lust. Lieber gibt sie Mary ihre EC-Karte und Geheimnummer, damit die ihr die gewünschte Summe Bargeld ziehen kann. Im Gegenzug bietet sie an, der kleine Nikos könne sie heute zum Spieleabend bei Gabi begleiten, während Mary arbeiten muss.
Als Olli Klatt sich für die Nachtschicht den Taxischlüssel bei Andy abholt, wühlt er Rosis Handtasche im Hausflur durch. Darin findet er deren Bankkarte und die passende Geheimnummer gleich dazu.
Mit dem Vorwand, er habe sein Handy vergessen, taucht Olli später noch einmal bei Gabi und Andy auf. Als die Luft rein ist, will er schnell Rosis Bankkarte und den Zettel mit der Geheimnummer zurück in ihre Handtasche stecken. In diesem Moment steht der kleine Nikos in der Tür. „Das ist Tante Rosis Tasche. Du warst an ihrem Portemonnaie!“, hat er ganz genau beobachtet. Mit düsterer Mine greift sich Olli den zitternden Jungen.
„Wenn du irgendjemandem davon erzählst, dann kill’ ich deine Mutter!“, droht Olli dem völlig verängstigten Nikos…

Es gibt nicht viele Gründe, nach Hannover zu fahren


Tatjana Marusic
„A Woman Under The Influence – to cut a long story short“
Video/Audioinstallation, 2003

Sprengel Museum Hannover