Archiv für Januar 2007

Extremismus in der Provinz

Die idyllische Provinzstadt Göttingen kann nicht nur auf nur auf eine ruhmreiche universitäre Vergangenheit verweisen, darüber hinaus trug Göttingen als Garnisonsstadt dazu bei, dass am deutschen Wesen die Welt genese. Daran erinnert das „Kolonialdenkmal“, welches dem 82. Infanterie-Regiment gewidmet ist. Jenes Regiment kämpfte von 1904 bis 1906 „für Kaiser und Reich“ im sogenannten „Deutschsüdwestafrika“, dem heutigen Namibia, und beteiligte sich an dem Genozid an den Herero und Nama . Die deutschen Kolonialtruppen ermordeten in ihrem Vernichtungsfeldzug über 40tausend Menschen.
Der Erinnerung „in Dankbarkeit und Treue“ an die deutschen Täter steht das jahrezehntelange Beschweigen des Genozids gegenüber.
Am 22. Januar zerstörte eine „Initiative Anti-Kolonial“ die an dem Denkmal angebrachte Marmorplatte und verwies in einem per e-mail versandten Bekennerschreiben darauf, das Denkmal erinnere an die Massenmörder, nicht aber an ihre Opfer. Als Absender der e-mail war ein gewisser „Hartwig Fischer“ angegeben. Hartwig Fischer ist allerdings Göttinger CDU-Politiker und als Mitglied des Bundestages für die Afrika-Politik seiner Partei zuständig.

Fischer, obschon der schändlichen Tat kaum verdächtig, distanzierte sich von dem unter seinem Namen verfassten Bekennerschreiben. Sein Parteikollege Welskop, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes in Göttingen, nahm die Aktion zum Anlass für totalitarismustheorische Überlegungen: der Anschlag auf das Denkmal unterscheide sich nicht im geringsten von Schändungen jüdischer Friedhöfe durch Neonazis.
Dass „Extremisten aller Couleur ihnen unliebsame Denkmäler beschädigen und Gedenken auf diese Art zensieren wollen“ (Welskop) zeigte sich tags darauf auch andernorts in Niedersachsen: im Landkreis Verden, wo die Entbarbarisierung des platten Landes ebenso noch auf sich warten lässt und Neonazi Jürgen Rieger seine „Forschung zum Erhalt der nordischen Rasse“ betreibt, wurde das dortige Mahnmal zur Erinnerung an die Vernichtung der Jüdinnen und Juden niedergebrannt.

Der restaurierte Reichsbahnwaggon, in dem sich Exponate zur Dokumentation der deutschen Vernichtungspolitik befanden, diente seit dem 9.November 2003 als Gedenkstätte. Heute, einen Tag vor dem Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz, brannte der Waggon völlig aus.

Who killed Bambi?

Problembär Bruno und das regressive Bedürfnis der Deutschen

Jan Gerber über die „tierliebe“ Nation und die Sehnsucht nach Enthemmung
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Pfannkuchen

Habe diese Woche ein neues Talent bei mir entdeckt: das schwungvolle Pfannkuchen-in-der-Luft-Wenden. Seither mache ich mir deutlich weniger Sorgen wegen Studium und Zukunftsperspektiven.

Beim Bewegungsablauf ist zu beachten, dass der Schwung nicht nur aus den Armen kommen sollte, sondern (ganzheitlich gedacht, Alter!) der Körper von den Zehen bis zu den Handgelenken angespannt wird.
Wird erstmal die Grundtechnik beherrschaft,so kann das spektakuläre Wenden beliebig variiert werden, der Phantasie sind nur durch die Schwerkraft und das eigene Vermögen Grenzen gesetzt!
Abschließend noch ein Plädoyer für den Pfannkuchen als ein ausgezeichnetes Gericht, welches vielseitig und günstig zugleich ist:
aufgrund der billigen Zutaten (Milch, Mehl, Eier, Salz + Belag nach Wahl) kann selbst eine gefräßige 10er Wg mit einem Budget von wenigen Euro gesättigt werden.
Für ein Kochbuch unter dem Motto „Satt werden mit Hartz 4″ jedenfalls wäre der Pfannkuchen neben Steckrübeneintopf (die Steckrübe ist auch als Hindenburg-Knolle bekannt) und Kartoffelsuppe eine keineswegs provinzielle kulinarische Alternative- zumal man Pfannkuchen für frankophile AkademikerInnen auf ALG II gerne auch als Crepes zubereiten kann. Bon appetit!

in the jungle

Habe soeben bei ignaz den Hinweis auf diese großartige Seite gefunden. Seltsam, seit geschätzten 7 Jahren freue ich mich jeden Mittwoch über den Comic, die Homepage hatte ich mir dennoch bislang noch nicht angesehen.
Okay, zu diesem Anlass my favourite OL:

Israel und seine Feinde

Das [a:ka] aus Göttingen, eine der interessanteren antideutschen Gruppen, lädt zum 15. Januar Matthias Küntzel ein. Bei Weltkritk findet sich ein kurzer Werbetext für die Veranstaltung, dem ich mich nur anschließen kann.
Don´t miss it

Israel und seine Feinde – Über den Antisemitismus im Nahen Osten
mit Matthias Küntzel
15.01.07 | 19.30 Uhr | DGB-Haus, Platz der Synagoge
Der Autor und Publizist Matthias Küntzel ist in seinem Buch „Dschihad und Judenhass“ Geschichte und Politik der islamistischen Bewegung auf den Grund gegangen; auch den wenigen bürgerlichen Medien, die es wissen wollen, gilt er mittlerweile als Experte. Auf der Veranstaltung wird Küntzel zeigen, wie Ideologie und Praxis der Islamisten im Nahen Osten beschaffen sind und wie eng sie mit dem Antisemitismus gegen die Juden und gegen Israel verwoben sind.