Archiv für Dezember 2006

Hals- und Beinbruch!

„ja, man muss seinen Feinden verzeihen, aber nicht früher,
als bis sie gehenkt werden“ (H. Heine)

Meet the Anti-Deutsche

Die linksliberale israelische Tageszeitung Haaretz befasst sich mit dem
„headquarters of the pro-Israel radical left-wing activity in Leipzig“ (ihr dürft raten, welcher Laden gemeint ist) und wirft einen Blick auf „an ideological movement whose followers unequivocally support Israel“ aus israelischer Perspektive. Definitiv lesenswert.

Beate Klarsfeld

Anlässlich des aktuellen Jungle World- Titelthemas über „die Bahn und die Deportation jüdischer Kinder“ soll hier auf das beeindruckende Lebenswerk Beate Klarsfelds hingewiesen werden:

Beate Klarsfeld (* 13. Februar 1939 in Berlin), geboren als Beate Auguste Künzel, ist eine deutsch-französische Journalistin und Kämpferin für die Aufklärung und Verfolgung von Nazi-Verbrechen.

Sie hat zusammen mit ihrem Mann Serge Klarsfeld mit detaillierten Dokumentationen zahlreiche nationalsozialistische Gewalttaten aufgedeckt und auf unbehelligt lebende Täter hingewiesen: Kurt Lischka, Alois Brunner, Klaus Barbie, Ernst Ehlers, Kurt Asche u. a.

1960 ging Beate für ein Jahr als Aupairmädchen nach Paris. Dort wurde sie mit den Folgen des Holocaust konfrontiert. Nach wechselnden Anstellungen wurde sie Sekretärin beim Deutsch-Französischen Jugendwerk, dort aber entlassen, weil sie Artikel gegen Kurt Georg Kiesinger veröffentlichte.

1963 heiratete sie Serge Klarsfeld, dessen Vater in Auschwitz der Judenverfolgung zum Opfer gefallen war.

Um auf die Vergangenheit Kurt Georg Kiesingers als NSDAP-Mitglied (PG 2633930) hinzuweisen, rief sie 1968 dem damaligen Bundeskanzler im Bonner Bundestag zu: „Nazi, tritt zurück!“ und wurde abgeführt, aber frei gelassen. Dann, während des CDU-Parteitags in Berlin, bestieg sie das Podium, ohrfeigte Kiesinger und rief „Nazi, Nazi!“. Sie wurde daraufhin in einem Schnellverfahren zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Allerdings wurde die Strafe 1969 in vier Monate auf Bewährung umgewandelt.

Im August 1970 kettete sich Beate Klarsfeld auf einem Platz in Warschau an einen Baum und verteilte Flugblätter, um auf den Antisemitismus in Polen aufmerksam zu machen; sie wurde festgenommen und ausgewiesen.

1971 versuchte sie gemeinsam mit ihrem Mann, den für die Deportation von 76.000 Menschen aus Frankreich verantwortlichen Kurt Lischka gewaltsam zu entführen und der Justiz in Paris auszuliefern, da eine frühere Verurteilung Lischkas weitere juristische Schritte blockierte. Frau Klarsfeld wurde dafür 1974 zu zwei Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, die Strafe aber durch internationale Interventionen und Proteste zur Bewährung ausgesetzt. Der Kriegsverbrecher Lischka dagegen blieb zunächst auf freiem Fuß, erst 1979 wurde er verurteilt.

In den 1970er Jahren wies Frau Klarsfeld wiederholt auf die Verstrickung des FDP-Politikers Ernst Achenbach in die Deportationen jüdischer Opfer aus Frankreich hin. 1976 gelang es ihr, seine politische Tätigkeit u.a. als Lobbyist von NS-Tätern kurz vor seiner geplanten Entsendung nach Brüssel als deutscher Vertreter bei der Europäischen Gemeinschaft zu stoppen.

1984 und 1985 bereiste sie unter Lebensgefahr die Militärdiktaturen Chile und Paraguay, um auf die dort gesuchten NS-Kriegsverbrecher Walter Rauff und Joseph Mengele aufmerksam zu machen.

1986 startete sie gemeinsam mit Serge und anderen eine Kampagne, die die Rolle Kurt Waldheims im Dritten Reich aufdeckte und zu seiner internationalen Isolierung während seiner österreichischen Bundespräsidentschaft führte. Im selben Jahr hielt sich Beate Klarsfeld einen Monat lang im libanesischen West-Beirut auf und bot an, im Austausch für israelische Geiseln in Haft zu gehen.

Am 4. Juli 1987 wurde der auf ihre Initiative gefasste Klaus Barbie verurteilt. Diesen Erfolg bewertete Beate Klarsfeld als das „wichtigste Ergebnis“ ihrer Aktionen. Bereits 1972 hatte Frau Klarsfeld seinen Aufenthaltsort in Bolivien aufgedeckt.

1991 kämpfte sie um die Auslieferung des in Syrien lebenden Eichmann-Stellvertreters Alois Brunner, dem die Ermordung von 130.000 Juden in deutschen Konzentrationslagern angelastet werden. Im Jahr 2001 wurde Brunner durch die Bemühungen der Klarsfelds in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt.

Beate und Serge Klarsfeld gaben u. a. ein Gedenkbuch heraus, in dem die Namen von über 80.000 französischen Opfern der Judenverfolgung durch die Nazis verzeichnet sind. Sie bemühten sich erfolgreich um Fotos von über 11.400 in den Jahren 1942-44 deportierten jüdischen Kindern, um den Opfern ein Gesicht zu geben. Die französische Bahn SNCF begrüßte das Projekt und zeigte eine Wanderausstellung (Enfants juifs déportés de France) drei Jahre lang auf 18 Bahnhöfen. Die Deutsche Bahn − Rechtsnachfolgerin der Deutschen Reichsbahn, über deren Schienennetz diese Kinder deportiert wurden − lehnte die Ausstellung in ihren Bahnhöfen „aus Sicherheitsgründen“ ab und verwies sie ins DB-Museum nach Nürnberg. DB-Chef Hartmut Mehdorn argumentierte, das Thema sei „viel zu ernst, als dass man sich brötchenkauend“ auf Bahnhöfen mit ihm beschäftigen dürfe.

In Israel erhielt Beate Klarsfeld 1974 die Tapferkeitsmedaille der Ghettokämpfer; der französische Präsident François Mitterrand ehrte sie 1984 als Ritter der Ehrenlegion. Offizielle deutsche Auszeichnungen sind ihr versagt geblieben.

This is a warning

Vor zwei Wochen zappte ich nach einem abendlichen Kneipenbesuch vorm Einschlafen gelangweilt im Fernsehen rum. Und blieb zum ersten mal bei einer dieser nächtlichen Telefon-Gewinn-Shows hängen (wohlgemerkt, eine Show, bei der die Moderatorin angezogen ist). Jedenfalls fing gerade die neue Raterunde an: 5 deutsche Städte, die auf „burg“ enden. Nichts leichter als das, dachte ich mir und griff, zuversichtlich gleich um 20tausend Euro reicher zu sein, zum Handy.
Heute hab ich meine monatliche O2-Rechnung gekriegt, 25 Euro mehr als gewöhnlich. Daraus lernen wir: Telefon-Gewinn-Shows sind betrügerische, zynische Einrichtungen, die leichtgläubige, angetrunkene Menschen abzocken. Finger weg davon!

„und du so Mitte vierzig und es nicht weit gebracht“

Am Donnerstag Konzert mit Turbostaat im trostlosen, der autonomen 80er Jahre-Ästhetik verpflichteten Jugendzentrum dieser beschaulichen Unistadt. Auf dem Weg dorthin waren subwave und ich uns einig, dass wir eigentlich kaum mehr Lust auf Punkkonzerte haben- wegen Pogo tanzenden sog. alternativen Jugendlichen jeden Alters und weil Elektronika einfach mehr taugen. Dementsprechend fiel auch das Resümee aus: Musik, die einen an die eigene Jugend erinnert und beim fünften Mal live immer noch ganz okay ist.
Was bleibt: subwaves schönes Bonmot „Gegenstandpunkt ist Scientology für die deutsche Linke“.
Tags darauf Egotronic im T-Keller. Da ich zuvor arbeiten musste, verbrachte ich insgesamt etwa 12 Stunden in der G19. Das Konzert lässt sich sich mit „guude Laune“ und „Feierei“ zusammenfassen- wenn auch der Auftritt von Koljah nicht eben überzeugend war. Danach Trivial Dance Suit mit schön stumpfen Techno Beats, umstrittenen Cocktails und einer Party, die kein Vorbild für die Jugend darstellt.
Fußnote: der Konter auf das GSP-Gedisse lautet: „so sieht euer antideutsches Weltbild aus- einmal Deutscher, immer Nazi!“

Bekenntnisse in Teheran

Fragt man Kinder, was sie machen wollen, wenn sie mal groß sind, kriegt man wenig ausgefallene Antworten: Feuerwehrmann, Tierärztin oder Spieler bei Werder Bremen undsoweiter. Harmlos und naiv.
Anders muss es sich bei dem kleinen Benedikt zugetragen haben. Er wird wohl geantwortet haben: „Wenn ich groß bin, dann möchte ich gerne mit den Mullahs gemeinsam den Holocaust leugnen.“
Davon ist zumindest auszugehen, mag man dem Zitat von Benedikt Frings in der heutigen Ausgabe der FR Glauben schenken:
„In Deutschland ist eine solche Konferenz verboten. Davon habe ich meine ganze Kindheit geträumt.“
Der langjährige NPD-Funktionär Frings ist in Köln als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie tätig. Als solcher kommt er zu der Diagnose, „die Holocaust-Anti-Religion [habe] das deutsche Volk neurotisiert und absichtsvoll wehrlos gemacht.“
Nun sei Benedikt Frings nach Teheran gereist, „um Präsident Ahmadinedschad zu danken“ – schließlich hat dieser Frings seinen Kindheitstraum erfüllt.

De mortibus nil nisi bene

Zumeist ist mir das Ableben bekannter Personen ziemlich gleichgültig, auch wenn es sich um solche grausige Gestalten wie etwa Leni Riefenstahl handelt. Ähnlich ist es mit dem gestern gestorbenen Augusto Pinochet, wobei es in seinem Fall natürlich tragisch bleibt, dass der Typ sich nie seinen Taten stellen musste, sondern mit der debiler-Opa-Nummer jahrelang der Justiz entkam. Letztlich bleibt: ein greiser Ex-Diktator gibt den Löffel ab, ein Hauch von Genugtuung will sich nicht einstellen, it was too late.
Halbwegs spannend war das Ende von Karol Józef Wojtyła, dem obersten Funktionär einer homophoben, weltweit aktiven Sekte- spannend insbesondere wegen der damit verbundenen Rituale (weißer Rauch etc) und der vielen tausend Katholiken, die man sich auf n-tv reinziehen konnte, wie sie voller Entzückung an seinem Sarg vorbei zogen.
Immerhin zwei Todesfälle gaben mir Anlass, mit FreundInnen eine Flasche Sekt zu öffnen: Möllemann und Arafat. Bei letzterem stand der Sekt schon einige Tage erwartungsvoll im Kühlschrank, schließlich kam das Ende des famosen PLO-Führers nicht eben überraschend. Dagegen war das Ende Möllemanns vergleichsweise sensationell und unerwartet- wir hatten noch nicht mal Sekt zuhause und sind erstmal euphorisch zu Plus gelaufen. Und, das war besonders erfreulich an der Bruchlandung dieses versponnen Antisemiten: das Timing stimmte. Absturz genau zum richtigen Zeitpunkt, Anlass zur Genugtuung.

Erhellendes zum Welt AIDS Tag

Judenhass und HIV-Prävention

gefunden bei israelnetz

Palästinenser: „Israel will Aids bei uns einführen“

RAMALLAH (inn) – Palästinensische Geistliche haben Israel vorgeworfen, Aids in die Autonomiegebiete exportieren zu wollen. Dies solle durch die Einführung verkommener Sitten geschehen, sagten sie am Montag auf einer Aids-Konferenz in Ramallah.
„Israel versucht, der Palästinensischen Autonomiebehörde und dem palästinensischen Volk zu schaden – auch durch die Ausfuhr der Aids-Krankheit, Drogenhandel, laxe Normen und die Legalisierung der Prostitution“, so der höchste islamische Würdenträger der Palästinenser, Scheich Tajsir Tamimi, und der orthodoxe Bischof Atalla Hanna. Tamimi ist auch der oberste Richter der islamischen Gerichte im Autonomiegebiet.Der Glaube sei eine Bürgschaft für eine relativ geringe Verbreitung der Krankheit, wie sie in den Autonomiegebieten zu finden sei, sagten der Bischof und der islamische Richter. Er sei das beste Mittel, um dagegen zu kämpfen.
Bischof Hanna fügte mit Bezug auf die abgesagte Homo-Parade in Jerusalem hinzu: „Die Israelis wollten vor ein paar Wochen eine Parade von sexuellen Abweichlern organisieren. Diese wollten für ihr Recht demonstrieren, sexuell und moralisch Abweichler zu sein, und all das, um unsere Werte und die Heiligkeit Jerusalems zu verletzen. Ausgerechnet in Jerusalem wollten diese Leute die Parade abhalten.“ Israel führe einen Kampf gegen die Werte der palästinensischen Gesellschaft.

Augen auf beim Streichholzkauf!

Den Samstag abend verbrachte ich wie so oft in jenem Gebäude, in dem ich arbeite und ein Stockwerk tiefer meinen Lohn gegen Becks eintausche. Beim Entzünden eines Streichholzes kriegte ich einen Funken aufs Auge und musste erstmal mit dem Rad zur Notfallambulanz. Nach einer dreiviertel Stunde Wartezeit in einem totenstillen, an die häßlichsten Aspekte der 70er erinnernden Flur: Augen ausspülen mit einer schlecht gelaunten Ärztin, die wie Sarah Wagenknecht aussieht. Und mich mit dem guten Rat „das nächste mal einfach nicht rauchen!“ verabschiedete.
Erkenntnisse des Abends: *Feuerzeuge sind solch brandgefährlichem Unfug wie Streichhölzern unbedingt vorzuziehen! *Redensarten, in denen „Auge“ vorkommt, sind zahlreich und immer für einen Kalauer zu gebrauchen *Rad fahren mit einem verbundenen Auge ist
wie besoffen Rad fahren, nur weniger lustig